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Fahrt zur Staufer-Ausstellung "Die Staufer und Italien" ↓

Im Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim am 15. Januar 2011

Die erste Ausfahrt des Jahres 2011 führte Mitglieder und Gäste der Gesellschaft für Heimat- und Kulturgeschichte zur großen Landesausstellung „Die Staufer und Italien“ nach Mannheim. Barbara Frenk und Therese Jäck verstanden es sehr gut, die beiden Gruppen durch die klar gegliederte, mehr als 300 Exponate umfassende, Ausstellung zu führen.

Zur Einführung in das Thema werden Mythen um Kaiser Friedrich Barbarossa und Friedrich II. angesprochen. Für viele Zeitgenossen Barbarossas war es sicher unverständlich, dass dieser Kaiser so plötzlich verstorben sein soll. Er durfte einfach nicht tot sein! Die Mythen versetzten ihn in den Kyffhäuser, wo er auf seine Wiederkunft warten soll.

Geschichtlich Greifbares bot der erste Hauptteil der Ausstellung, die Herkunft und Genealogie der Staufer. Neun Siegel zeigen die Könige und Kaiser dieser Dynastie. Ein Prunkstück in diesem Zusammenhang ist sicherlich der „Cappenberger Barbarossakopf“, ein idealisiertes Porträt aus vergoldeter Bronze. Im ersten Obergeschoss des Museums werden die staufischen Grablegen thematisiert. Künstlerisch ist hier das antike Italien oftmals Vorbild. Auch die Bedeutung des Rhein-Main-Neckarraums, zusammen mit anderen süddeutschen Herrschaftsgebieten wird hier herausgehoben. Das hochmittelalterliche Reisekönigtum und die Bedeutung der Pfalzgrafen sind weitere Themen neben der oberitalienischen Städtelandschaft, dem „Garten der Wonne.

Das Königreich Sizilien spielte vor allem im Leben und Wirken Friedrichs II. eine große Rolle. In seinem Reich entstand eine kaum vorstellbare Blüte an arabisch-griechisch-lateinisch-jüdischer Mischkultur. Viersprachige Grabsteine legen dafür Zeugnis ab. Die höfische Kultur ist Themen-schwerpunkt im zweiten Obergeschoss. Gerade hier ist die Herrschaft Friedrichs II. ein Glanzpunkt. Auf ihn geht zum Beispiel die bis heute gültige Berufstrennung zwischen Arzt und Apotheker zurück.

Diese Ausstellung sehen zu können war nach Ansicht vieler Mitreisender die relativ lange Anfahrt wert.

Stauffer
Zum Gruppenbild versammelten sich die TeilnehmerInnen an der Ausfahrt zur Staufer-Ausstellung
in Mannheim. Text und Foto: Alwin Weber

ErfinderZeiten locken ins Museum nach Schramberg ↓

Zur Besichtigung des Museums „ErfinderZeiten“ auf dem Gelände der ehemaligen H. A. U. (Hamburg-Amerikanischen Uhrenfabrik) in Schramberg trafen sich am 17.03.2011 18 Interessierte. Rolf Munzinger verstand es gut, die einzelnen im Museum gezeigten Zeitabschnitte mit Leben zu erfüllen.

Das etwas Andere an diesem Museum ist, dass nicht nur die technische Entwicklung in einem Zeitraum dargestellt wird, sondern auch die Lebensumstände der Menschen hier umfassend mit einbezogen werden.

In den „Nachkriegsjahren“ 1945 – 1950 wird auch auf die Lebensumstände eingegangen, in denen Heimatvertriebene lebten und wohnten; ebenso zeugt ein zum Kochtopf umgearbeiteter Stahlhelm von der bitteren Not, der Knappheit an Material, aber auch der Erfindungsgabe dieser Zeit. Erschütternd, wenn man sieht, mit welchen Mitteln Kriegsinvaliden versucht haben, sich das Leben zu erleichtern und mobil zu werden.

Natürlich liegt in diesen Jahren das Schwergewicht der Konstruktionen darin, aus Vorgefundenem etwas Brauchbares zu machen – und sei es eine Bandsäge auf einem ehemaligen Pkw-Chassis.

In den „Aufbaujahren“ 1950 – 1955 sah die Welt schon freundlicher aus: Das Moped oder Mofa dominiert bei den Zweirädern; bei den „besseren“ rollenden Untersätzen ist der Kabinenroller tonangebend. Dass oft Flugzeugkonstrukteure die geistigen Väter solcher Fahrzeuge waren, ist an den Formen deutlich abzulesen. Natürlich ist hier der berühmte Messerschmitt-Kabinenroller, der „Schneewittchensarg“ zu sehen.

Hat sich das Museum bisher vor allem an die Männerwelt gewandt, so kommen jetzt auch die Frauen zu ihrem Recht, aus weiblichem Blickwinkel auf diese Zeit zurückzuschauen. Eine Küche und ein Wohnzimmer aus den 50er-Jahren lassen die Wohnkultur dieser Zeit nachempfinden. Ein „Tante-Emma-Laden“, „Möbel Ullrich“, „Haushaltswaren Hettich“ und „Bekleidungshaus Waller“ und ein Friseurladen lassen diese Jahre wieder lebendig werden. „Leukoplastbomber“ Lloyd und das Maico-Mobil runden dieses Zeitbild ab.

Die „Wirtschaftwunderjahre“ 1955 – 1970 stellen den dritten großen Zeitraum des Museums dar. Die kleinen und großen Träume der „Aufbaugeneration“ stehen hier einträchtig nebeneinander. Das „Goggo“ und die „Rennsemmel“ oder „Knutschkugel“, womit die Isetta von BMW gemeint war, sind hier neben dem Opel Kapitän, einem Traum für knapp 10000 Mark zu finden. „Trabi“ oder Wartburg haben das Leben bei „unseren Brüdern und Schwestern im anderen Teil Deutschlands“ ebenso nachhaltig geprägt.

Die großen Auto-Zeiten sind im Erdgeschoss nachzufühlen. Ein Mercedes 300 Cabrio, ein BMW 503 oder ein BMW-Barockengel stehen für viele unerfüllte Träume.

Ein technisches Unikum der besonderen Art zeigt Hans Blenk der Gruppe im „Dieselmuseum“ auf dem Gelände der H. A. U. Zur Stromversorgung des Werkes wurde 1911 ein Vierzylinder-Dieselmotor der Firma MAN aufgestellt, der bis 1963 in Betrieb war. Mit 87,3 Liter Hubraum und 340 PS ein wahrer Gigant seiner Zeit.

Nach so viel Erinnerung und Technik tat es gut, sich im Hotel Link auf dem Oberndorfer Lindenhof stärken und über das Gesehene plaudern zu können.

ErfinderZeiten
Viel zu sehen gab es in "ErfinderZeiten" in Schramberg

Ausfahrt nach Ravensburg am 16.07.2011 ↓

Viel Glück mit dem Wetter hatte die Gesellschaft für Heimat- und Kulturgeschichte bei ihrer jüngsten Ausfahrt, die in die ehemals Freie Reichsstadt Ravensburg führte. Die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden dort von den Organisatoren „vor Ort“, Ingrid Liedtke und Paul Müller herzlich begrüßt.

Am Vormittag führten die beiden Stadtführerinnen Gabi Wendeborn und Gabriele Rupp, die ihr großes stadthistorisches Wissen lebendig vermitteln konnten, die Oberndorfer in zwei Gruppen durch Straßen und über Plätze, die noch immer die alten Strukturen erkennen lassen; denn diese Stadt konnte den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstehen.

Ihr Name leitet sich ab vom Erbauer der „Rabenburg“ (heute Veitsburg) von Welf IV., der den Beinamen „der Rabe“ trug.

Ein Höhepunkte der Stadtführung war das prächtig bemalte „Lederhaus“ am Marienplatz, das alte Zunfthaus der Gerber und Lederhandwerker. Das alte Gerberviertel und das Rebleuteviertel ließen noch die mittelalterliche Bebauung erahnen.

Als eine Seltenheit konnten die Stadtführerinnen die Simultankirche, vor der Reformation zu einem Carmelitenkloster gehörig, dann aber von Katholiken und Protestanten gemeinsam genutzt, den Oberndorfern zeigen.

Das Rathaus mit dem Großen Ratssaal, geschmückt mit schönen Zunfttafeln, war weitere Attraktion der Führung.

Der Reichtum Ravensburgs, so die Führerinnen, war neben dem Fernhandel der Herstellung von Papier- und Barchent (Barchent ist ein Leinen-Baumwoll-Gewebe) zu verdanken.

Nach dem Mittagessen führten Michael Borrasch und Christoph Stehle mit großem Detailwissen und Liebe zum Objekt durch das Museum „Humpisquartier“, den ehemaligen Wohnsitz dieser reichen Familie, deren Name sich von „Hun(d)-Biss“ ableitet. Dieses Museum ist in das größte und besterhaltene Patrizierwohnquartier Süddeutschland eingebaut.

In vielen Exponaten wird die Bedeutung der Großen Ravensburger Handelsgesellschaft, die noch vor den Fuggern europaweit tätig war, dargestellt. Hier konnten die Besucher auch einen Einblick in das Leben verschiedener Zunftangehöriger im 18. Jahrhundert bekommen.

Nach einem herzlichen Dankeschön an die Organisatoren dieses Tages machte sich die Gruppe, zufrieden mit dem Gesehenen, wieder auf die Heimreise.

Ravensburg
Michael Borrasch verstand es glänzend, in die Geshichte des Humpis-Quartiers einzuführen.

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